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Praktikumsbericht

von Lukas von Nordheim (01.05. - 31.07.2011)

Drei Monate Nahost

Bericht über mein Praktikum im Auslandsbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung in den Palästinensischen Gebieten vom 01.05.11 bis zum 31.07.11

von Lukas von Nordheim

Ein Aufenthalt in Israel und den Palästinensischen Gebieten ist per se politisch – die Frage ist nur, welche Konsequenzen man daraus zieht. Ich entschied mich dazu, im Anschluss an mein achtmonatiges Studium der ökumenischen Theologie, Judaistik, Islamwissenschaft und Landeskunde an der westlich der Grünen Linie von 1967 gelegenen Dormitio Abtei ein dreimonatiges Praktikum im Auslandsbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung für die Palästinensischen Gebiete in Ost-Jerusalem zu absolvieren.

Wohnort: Ramallah, Arbeitsplatz: Ost-Jerusalem und dazwischen: Die Sperranlage

Sicher kann man vieles lesen, doch hier zu leben und zu arbeiten ist für das Verständnis der Menschen, der Region und des israelisch-palästinensischen Konflikts unerlässlich. Von der Entscheidung, nach acht Monaten in Israel auf die andere Seite der Grünen Linie in die Palästinensischen Gebiete zu ziehen, habe ich nachdrücklich profitiert. Ich wohnte drei Monate lang in Ramallah im Westjordanland. Ramallah ist gemäß der Osloabkommen A-Gebiet, d.h. eine der „Inseln“, in denen die Palästinensische Autonomiebehörde sowohl für die zivile Verwaltung als auch für die Sicherheit zuständig ist. Damit befand ich mich in einer Stadt, die nur 16 Kilometer von meinem früheren Wohnort entfernt lag, die aber für israelische Staatsbürger – aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell heißt – seitens ihrer Regierung gesperrt ist.
Aufgrund der Sperranlange, der Kontrollen an Checkpoints und Verkehrsumleitungen dauert die Fahrt ins Büro in Ost-Jerusalem eine Dreiviertelstunde. Der tägliche Weg von Ramallah nach Jerusalem führt vorbei an illegalen Siedlungen und Außenposten., Dass dieses Gebiet jenseits der 1967er Grenze liegt und die Siedlungen völkerrechtswidrig sind, ruft spätestens die morgendliche Rushhour tausender israelischer Berufspendler in Erinnerung. In der Mount of Olives Road im Ost-Jerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah und damit in unmittelbarer Nachbarschaft des FES-Büros laufen seit Wochen die Bauarbeiten für 20 Wohnungen, die - inmitten eines Palästinensischen Wohngebietes - ausschließlich an israelische Siedler vermietet werden sollen.

Tagung in Tel Aviv, Besuch aus Gaza, Meeting in Ramallah

Im Büro angekommen, erwarteten mich stets zwei Daily Press Summaries und der aktuelle UNSCO Daily Press Brief. Up to date zu sein, ist für die Arbeit im FES-Büro unerlässlich und so gehört deren Lektüre zur Aufgabe eines/r Praktikant/in. Gleichzeitig wird man dadurch zu einer Art Nahostexperte/in – zumindest für die Ereignisse innerhalb der drei Monate des Praktikums.
Die genaue Kenntnis der Tagespolitik und ihrer Akteure ist besonders in der ersten Jahreshälfte, in denen die Besuche von Delegationen der SPD-Bundestagsfraktion, Ministerpräsident/innen und weiteren SPD-Politikern anstehen, von Bedeutung. In diesen Monaten ist ein/e Praktikant/in besonders mit der Vorbereitung des Delegationsbesuches (Programmentwurf, Terminabsprachen mit Gesprächspartnern, Übersetzern, Erstellen von Briefings zu den Gesprächspartnern und FES-Partnerorganisationen in den Palästinensischen Gebieten) und anschließend mit der Nachbearbeitung des Besuches (Bericht verfassen, Dankesschreiben versenden, Bilanz ziehen) beschäftigt. Die Höhepunkte sind natürlich die Delegationsbesuche selbst, bei denen ein/e Praktikant/in mit den Spitzenpolitikern in Kontakt treten kann. Die Wochen mit Delegationsbesuchen sind oft sehr arbeitsam, jedoch wird diese zwischenzeitliche Mehrarbeit durch die Begleitung der Delegationen bei ihren Treffen mit hochrangigen palästinensischen Politikern, sowie durch Arbeitszeitausgleich in ruhigeren Zeiten mehr als wettgemacht.
Darüber hinaus stellen die Teilnahme an Tagungen in Tel Aviv, die vom FES-Auslandsbüro in Israel organisiert werden, Teammeetings mit den Mitarbeitern des in Gaza Stadt gelegenen FES-Büros und Meetings mit den politischen Partnern in Ramallah Highlights des Praktikums dar. Durch diese Treffen und die Teilnahme an Veranstaltungen der Partner (Roundtables, Vorträge, Workshops, Diskussionsrunden, Ortsbegehungen und Führungen) bekommt auch die Arbeit im Büro mehr Gestalt und ein/e Praktikant/in kann tiefer in die Struktur der Arbeit des Büros eintauchen.
Kleinere Aufgaben sind zudem Recherchen für den Büroleiter oder eine/n der Projektmanager, Gegenlesen von zu veröffentlichen Texten, das Zusammenstellen von Briefings zu einem bestimmten Thema, die Vorbereitung von Briefings für neue Mitarbeiter von NGOs, für Volontäre oder für politische Reisegruppen. Darüber hinaus sind des Öfteren Cooperation-Agreements und Berichte für die Homepage oder die Facebook-Seite zu verfassen.
Über die gesamten drei Monate verfolgt ein/e Praktikant/in zudem ein Langzeitprojekt. Dabei kann es sich um eine eingegrenzte Forschungsleistung, einen Essay, ein ausführliches Interview oder ähnliches handeln, das ein/e Praktikant/in nach Absprache mit ihrem/r Praktikumsbegleiter/in und dem Büroleiter erstellt. Ziel des Langzeitprojektes ist die Publizierung über die Kontakte des FES-Auslandsbüros in den Palästinensischen Gebieten. Bei der Themenwahl werden in der Regel die Interessen des/der Praktikant/in berücksichtigt. Auch Synergieeffekte mit im Rahmen des Studiums zu erstellenden Arbeiten sind hier durchaus möglich.

Fazit

Nach drei Monaten der Mitarbeit in diesem Büro kann ich auf eine eindrucksvolle und lehrreiche Zeit zurückblicken, die mir die Arbeit der Friedrich-Ebert-Stiftung, politische Beratungsarbeit an sich und den NGO-Sektor in den Palästinensischen Gebieten ein gutes Stück weit erschlossen hat. Angesichts dieser Erfahrungen kann ich jede/n Interessiere/n zu einer Bewerbung auf ein Praktikum in diesem Auslandsbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung ermutigen.
Bei weiteren Fragen zum Praktikum stellt die FES Jerusalem gerne den Kontakt zu mir her.