Friedrich-Ebert-Stiftung
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Praktikumsbericht

von Abbad El-Rayyes (21.05. - 21.09.2007)

Im Zeitraum zwischen Mai und September 2007 war ich Praktikant im Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung in Jerusalem. Dieses Praktikum war Teil meines sechsmonatigen Arbeitsaufenthaltes im Rahmen meines Studiums der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz. Da mein dortiges Studium keine Kurse zur politischen Situation im Nahen Osten anbot, beschloss ich, mir dieses Wissen selbst vor Ort anzueignen.

In meinen vier Monaten habe ich für die Friedrich-Ebert-Stiftung in verschiedenen Bereichen gearbeitet und dabei viele neue und wichtige Erfahrungen hinzugewonnen. Nach sechs eher trockenen und akademischen Semestern an der Universität Konstanz bot das Praktikum in Jerusalem mir die Möglichkeit, politische Prozesse vor Ort zu beobachten. Dies in der politischen Arena Palästinas zu erleben, ist natürlich zudem ungleich spannender und erkenntnisreicher.

Ein Großteil der Tätigkeiten im Büro befasst sich mit der Durchführung des deutsch-palästinensischen Dialogs, da die politische Situation vor Ort danach verlangt. Es war Teil meiner Aufgabe im Büro, Besuche deutscher Politiker zu planen und Treffen mit palästinensischen Vertretern zu organisieren. Dabei lernt man nicht nur die Abläufe der deutschen Politik näher kennen, sondern vor allem natürlich, wie Politik in den Palästinensischen Autonomiegebieten funktioniert und was sie von der deutschen unterscheidet. So nah am Puls der palästinensischen Politik zu sein, entschädigt für die langen Arbeitstage, die die Organisation solcher Treffen mit sich bringt. Und wenn man einmal an den Workshops und Konferenzen der politischen Partner der FES Jerusalem teilgenommen hat, kann man sehen, dass dort die palästinensische Zivilgesellschaft gelebt wird. Begriffe und Themen, die man vorher nur aus den Nachrichten oder den Lehrbüchern kennt, nehmen dort plötzlich Gestalt an und werden einem verständlicher.

Natürlich gab es neben der politischen Arbeit auch die alltägliche Büroarbeit. Eines der größeren Projekte während meines Praktikums war es, das Team der FES Jerusalem dabei zu unterstützen, die neue Internetpräsenz ins Netz zu stellen. Die unzähligen Texte für die Homepage zu schreiben und Korrektur zu lesen war dabei ein leichtes Unterfangen verglichen mit den Herausforderungen, die ein palästinensisches IT-Unternehmen an das Team der FES in Jerusalem stellen kann.

Die Arbeit im Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung erfordert natürlich gewisse Qualifikationen. Sehr gute Englischkenntnis sind ein Muss, da im Büro und mit unseren Partnerorganisationen Englisch gesprochen wird. Arabischkenntnisse sind vorteilhaft, auch wenn ich während meiner Praktika für die FES sowohl in Jerusalem als auch zuvor in Beirut ohne diese mich verständigen konnte. Arabischsprachkurse werden regelmäßig und für alle Vorwissensstufen angeboten.

Die Lebenshaltungskosten in Jerusalem sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Vor allem die Mietkosten sind hoch und liegen zwischen 300 und 500 US Dollar. Es macht dabei fast keinen Unterschied ob man im arabischen Osten oder im israelischen Westen wohnt. Beide Stadteile haben ihre Vor- und Nachteile und es kommt auf die eigenen Wünsche und Ziele an. In Ostjerusalem kann man Arabisch sprechen und Erlerntes gleich anwenden, wohingegen man im Westen ein besseres Nachtleben und eine westlich moderne Nachbarschaft angeboten bekommt. Meine Zeit in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Jerusalem habe ich sehr genossen und habe in diesen vier Monaten wohl mehr gelernt als in meinem bisherigen Studium zusammengenommen. Manchmal hat bereits einfaches Zuhören, gereicht um meinen Horizont zu erweitern. Ich kann es daher jedem empfehlen, der sich mit dieser Region intensiv beschäftigen möchte, internationale Entwicklungszusammenarbeit mit politischer Arbeit verbinden und die sozialdemokratischen Werte der Friedrich-Ebert-Stiftung auch im Nahen Osten vertreten will.

Bei weiteren Fragen zum Praktikum in der FES Jerusalem stehe ich gerne zur Verfügung: aelray [at] gmx.de