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Oral History Workshop

Teilnehmer des Oral History Workshops. Foto: FES.
Teilnehmer des Oral History Workshops

Was von Israelis alljährlich als Jom haAtzma'ut, „Tag der Unabhängigkeit“, gefeiert wird, markiert für Palästinenser als Nakba, „Katastrophe“, einen tragischen Meilenstein ihrer Geschichte. Für hunderttausende Palästinenser im israelischen Staatsgebiet brachte die israelische Staatsgründung vor nunmehr 62 Jahren Flucht und Vertreibung mit sich. Dieses Ereignis prägte wie kein anderes den historischen Narrativ der Palästinenser. So lebt die Erinnerung an die Nakba und ihre Folgen noch heute in der zweiten oder dritten Generation in ihrem kollektiven Gedächtnis fort und stellt ein wesentliches Element palästinensischer Identität dar. Doch die Zahl der noch lebenden Zeitzeugen schwindet; Fakten und Fiktion scheinen im stetig fließenden Identitätsfindungsprozess zu verschwimmen. Ähnlich wie im Deutschland der 1970er und 80er Jahre werden unter Palästinensern deshalb verstärkt Forderungen laut, jene Zeitzeugenberichte zu dokumentieren.
Vor diesem Hintergrund veranstaltete die FES in Kooperation mit ihrem Partner, der Fatah Foreign Relations Commission, am 27. und 28. Oktober einen zweitägigen Workshop zum Thema „Oral History Archiving“ unter der Leitung von Dr. Meik Woyke aus dem Archiv für Sozialgeschichte in Bonn. Neben Mitarbeitern der Fatah Foreign Relations Commission nahmen auch Mitglieder der Media Commission am Archiving Project teil. Beide Kommissionen planen gemeinsam ein Archiv aufzubauen, welches die gesammelten Erinnerungen an die Nakba für Forschungszwecke zur Verfügung stellt.

Dr. Meik Woyke mit einem Teilnehmer des Oral History Workshops. Foto: FES.

Im Workshop wurden die Teilnehmer an Theorie und Praxis der Dokumentation und Archivierung mündlicher Quellen herangeführt. Es galt ihnen die Vorgehensweise bei der Planung und Durchführung eines solchen Vorhabens nahe zu bringen und sie dabei gleichzeitig über mögliche Hindernisse und Problematiken aufzuklären - unter dem Motto “History is about the reality of the past, and memory about the truth of the present.” So stehen das gegenwärtige kollektive und individuelle Gedächtnis unter dem Einfluss dynamischer äußerer politischer, kultureller und sozialer Faktoren, welche es bei der Auswertung der Quellen zu berücksichtigen gilt, um deren Authentizität zu gewährleisten. Umfassende Recherchearbeit zu den Hintergründen des historischen Ereignisses an sich wie auch zur jeweiligen interviewten Person ist deshalb Voraussetzung für ein gelungenes Interview. In mehreren praktischen Einheiten befragten sich die Teilnehmer schließlich gegenseitig zu eigens ausgewählten Themen. Diese Live-Interviews wurden aufgezeichnet und anschließend gemeinsam ausgewertet.
Das Feedback der Teilnehmer fiel durchweg positiv aus; die Zusammenarbeit mit Dr. Meik Woyke soll im Hinblick auf die vertiefende Ausbildung von Interviewern künftig intensiviert werden.