Face the Public - Gesandter des Nahostquartetts Tony Blair
Tony Blair mit Michael Bröning.
Nach drei Jahren sieht es nun endlich so aus als würde die Blockade gegen den Gazastreifen gelockert. Eine wichtige Rolle spielte in den Verhandlungen mit der israelischen Regierung der Sonderbeauftragte des Nahostquartetts Tony Blair. Dieser stellte sich im Rahmen der Konferenzreihe "Face the Public" am 22.06. per Video-Schaltung der Diskussion mit Vertretern der Zivilgesellschaft im Gazastreifen.
Tony Blair und Michael Bröning folgen per Video-Schaltung der Wortmeldung einer Konferenzteilnehmerin.
Vorgabe von Seiten des Organisators und Diskussionsleiters Omar Shaban von Palthink für den lebhaften Austausch zwischen Blair und den Gästen der Veranstaltung im Gazastreifen war ein in die Zukunft gerichteter Blick, der weniger die Beschwernisse des Gazastreifens unter der israelischen Blockade in den letzten drei Jahren zum Fokus nimmt, sondern analysiert, welche Folgen die Lockerung der Blockade haben wird und welche Rolle die internationale Gemeinschaft, und hier insbesondere das Nahostquartett und sein Gesandter, in der weiteren Vermittlung übernehmen sollte.
Das FES-Team um Michael Bröning, Henrik Meyer und Judith Althaus mit Tony Blair und Frankfurter Rundschau Korrespondentin Inge Günther.
In seinem Eingangsstatement fasste Blair die Ereignisse der letzten Wochen zusammen und unterstrich die Erfolge seines eigenen Engagements im Streben nach einer Lockerung der Blockade des Gazastreifen. Als nächsten politischen Schritt machte er die nationale Versöhnung aus, mit dem Ziel, in den territorial kontigenten Palästinensergebieten den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit zu verwirklichen. "Wir brauchen einen starken, vitalen Ruck in Richtung palästinensischer Staatlichkeit," sagte Blair und berief sich auf die Umsetzung der "Zweistaatenlösung, die Gaza und die Westbank umfasst."
Tony Blair und Michael Bröning beim lockeren Gespräch nach Ende der Konferenzschaltung.
Das Publikum im Gazastreifen ließ dem Quartett-Gesandten keine Möglichkeit, sich auf seinem Erfolg der letzten Wochen auszuruhen. In zahlreichen Wortmeldungen forderten insbesondere junge Konferenzteilnehmer die Aufhebung der "moralischen Blockade", die den Bürgern des Gazastreifens ihre Rechte abspricht. Die junge Generation leide unter "einem Mangel an Freiheit," bevor sie an einem "Mangel an Lebensmitteln" leide.
Gleichzeitig zeigten sich viele Konferenzteilnehmer skeptisch angesicht der Nachhaltigkeit der Lockerung der Blockade. "Wie wird das Quartett sicherstellen, dass Israel sich an seine Vereinbarungen hält?", zweifelten sie.
Blair berief sich auf die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft und sprach von einer "fundamentalen Veränderung in den politischen Gegebenheiten". Um den Moment für echten Fortschritt zu nutzen, brauche er die Hilfe der Palästinenser. Nur sie selbst könnten die politische Einigung von Fatah und Hamas herbeiführen.
Lesen Sie auch den Artikel von Inge Günther in der Frankfurter Rundschau vom 23.06.2010.


